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Starkregenvorsorge

Starkregenvorsorge in Untereisesheim

Der Juni diesen Jahres (2021) war geprägt von Unwettern, die in vielen Orten zu Überschwemmungen und teils zu hohen Schäden geführt haben. Die Gemeinde Untereisesheim blieb hierbei nicht verschont.

Starkregen treten in aller Regel relativ plötzlich und unerwartet auf. Sie verwandeln kleinste Senken, aber auch Straßen und Wege in kurzer Zeit zu reißende Gewässer. Die Gefahr wird dann zum Risiko, wenn sich empfindliche Güter und vor allem Menschen in ihrem Weg befinden. Bei Starkregen ist besonders zu beachten, dass oft nur extrem wenig Zeit bleibt, um sich selbst und andere in Sicherheit zu bringen oder zu schützen – das Gleiche gilt für die gefährdeten Güter wie beispielsweise Gebäude oder Fahrzeuge in Tiefgaragen. Demzufolge ist die Vorsorge umso wichtiger!

Die Gemeinde Untereisesheim hat bereits 2018 ein vom Land Baden-Württemberg gefördertes kommunales Starkregenrisikomanagement aufgelegt. Für die Gefährdungsanalyse unserer Gemeinde wurden zunächst Starkregengefahrenkarten mit drei verschiedenen Abflussereignissen (Selten = 40 l/h auf m², Außergewöhnlich = 55 l/h auf m², Extrem = 128 l/h auf m²) erstellt. Anhand dieser wurde das Überflutungsrisiko für die gesamte Gemarkungsfläche analysiert, um schließlich Maßnahmen zur Risikominimierung definieren zu können. Eine Simulation des Überflutungsverlaufes bei einer Stunde Niederschlag und einer Stunde Nachlauf können Sie der beigefügten Anlagen entnehmen. Des Weiteren finden Sie die drei Starkregengefahrenkarten ebenfalls im Anhang.

Eine Gefahrenstelle westlich des Schafbuckels konnte im Zuge der Erschließungsarbeiten für den Schafbuckel II entschärft werden. Im Bereich der Oppelner Straße wurden in Abstimmung mit der Landwirtschaft entlang des Feldweges Ackerrandstreifen realisiert, die die Erosion ein Stück weit abfedern können. Der Schutz des südlichen Ortsbereiches spielt bei den Planungen der Südrandentwicklung eine große Rolle.

Neben den kommunalen baulichen Maßnahmen spielt aber vor allem auch die Sensibilisierung der Bevölkerung durch die Information über die bestehenden Gefahren und die Aufforderung zur Eigenvorsorge eine wichtige Rolle!

Die gesetzliche Lage sieht vor, dass bei Hochwasser und Starkregen der Bürger im zumutbaren Maße Eigenvorsorge zu treffen hat:

„Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen.“ (Auszug aus dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG), § 5 Allgemeine Sorgfaltspflichten, Abs. 2)

Die Kommune ist dabei für die schadensfreie Ableitung im öffentlichen Raum verantwortlich – und zwar bis zu einem „seltenen Starkregen“. Ein vollständiger Schutz für Überflutungen ist bei außergewöhnlichen Starkregenereignissen nicht möglich, da es weder aus wirtschaftlicher noch aus technischer und verkehrsrechtlicher Sicht sinnvoll ist, die Kanäle für solch extreme Niederschlagsereignisse auszulegen.

Erst wenn die Schwachstellen bekannt sind, lässt sich entscheiden, welche der im Folgenden aufgeführten Maßnahmen sinnvoll sind – einzeln oder auch in Kombination. Mit der folgenden Auswahl möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über mögliche Gefahren und Maßnahmen geben.

Versicherungen:

In vielen Fällen bleiben Hauseigentümer bei einem Starkregenschaden auf den Kosten sitzen, denn eine Wohngebäudeversicherung deckt normalerweise lediglich Schäden durch Leitungswasser, Sturm (ab Windstärke 8), Feuer, Blitz- und Hagelschlag ab. Laut Statistiken sind rund 75% der Elementarereignisse auf Starkregen zurückzuführen. Schäden durch Hochwasser und Starkregen sind jedoch nur gedeckt, wenn der Eigentümer zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen hat. Nicht enthalten sind dabei normalerweise Schäden, die aufgrund von Sturmfluten und Grundwasser entstehen.

Bauliche Vorsorge:

  • Schutz durch private Vorsorge: Schutzanlagen im Außenbereich können das Zuströmen von Wasser zum Gebäude verhindern. Der Einsatz von mobilen Hochwasserschutzanlagen ist gegen Hochwasser denkbar. Da sich hier aber immer jemand um die rechtzeitige Montage beim Ereignis kümmern muss, bietet sich dieses System nur bei genügend Vorwarnzeit an. Fest installierte Schutzanlagen sind im privaten Bereich und gegen Starkregen wirksamer und haben ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Verminderung des Oberflächenabflusses ist dabei immer das primäre Ziel! Rückbau oder der Verzicht auf Flächenversiegelung und Vegetation, welche die Fließgeschwindigkeit verringern, haben großen Einfluss auf das Fließgeschehen. Ein abwechslungsreich bepflanzter und genutzter Boden wirkt der Versiegelung entgegen und fördert die natürliche Versickerung. Mischbepflanzung, kleine Schwellen, Mulden, Gräben und Senken halten Regenwasser vom Haus fern.
  • Eintrittswege in das Gebäude verringern: Direkt am Gebäude gibt es für das Wasser zahlreiche Möglichkeiten durch Gebäudeöffnungen wie Lichtschächte, Kellerfenster oder –türen in das Gebäude einzutreten. Ist der Wasserstand am Gebäude gering, kann eine Erhöhung der Lichtschachtoberkanten, die Erhöhung von Hauseingängen, Bodenschwellen, Aufkantungen helfen. Wasserdichte Fenster  und Türen oder automatisch schließende Fensterklappen sind kostenintensiver, aber bei höherem Wasserstand häufig die einzige Lösung. Klappschotte, die automatisch aufgehen (aufschwimmend oder mit Antrieb) werden insbesondere bei Tiefgaragen gerne verwendet. Dabei bestimmen die jeweiligen Rahmenbedingungen, wie z.B. die Art des Mauerwerks, welche Schutzelemente geeignet sind. Zusätzlich zu Öffnungen muss auch die Eigenschaft der Fassade gegenüber Wasser betrachtet werden. Bei Neubauten sollte zu wasserresistenten Baumaterialen gegriffen werden. Bei Sandsteingebäuden kann das Durchsickern  des Wassers zum Problem werden, insbesondere wenn über längere Zeit Wasser am Gebäude steht. Gipsgebundene Baustoffe haben eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit und sind feuchteempfindlich. Auch der Dämmstoff ist entscheidend. Dabei ist nicht nur bei den Fassaden, sondern auch bei Decken- und Fußbodenkonstruktionen auf die Materialwahl zu achten, um Schäden zu minimieren. Abdichtungsmaßnahmen direkt am Gebäude können ebenfalls das Risiko des Eindringens verhindern. Die Gebäudefassade kann durch eine Schwarze oder Weiße Wanne abgedichtet werden. Schwachstellen am Gebäude sind zudem auch undichte Grundleitungen oder nicht abgedichtete Leitungsdurchführungen.
  • Rückstausicherungen: Bei Hochwasser und Starkregen lauert insbesondere die Gefahr unterhalb des Bodens – durch Grundwasseranstieg und Rückstau in der Kanalisation. Eine Rückstausicherung ist Pflicht. Die technischen Regelwerke (DIN EN 752, DIN EN 12056, DIN 1986 Teil 100) schreiben vor, dass alle Entwässerungseinrichtungen unterhalb der Rückstauebene gegen Rückstau gesichert sein müssen. Für Rückstauschäden haften Sie als Eigentümer. Dabei greifen Versicherungen nur, wenn Sicherungsmaßnahmen versagen. Deshalb sollten Sie die Rückstausicherung auch regelmäßig warten. Nähere Informationen, welches System für Sie am besten geeignet ist, erfahren Sie bei Sanitärfachfirmen.

Warnung:

Folgende Apps können vor einem Starkregenereignis hilfreich sein:

  • NINA: Mit der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes (kurz NINA), können Sie wichtige Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes für unterschiedliche Gefahrenlagen, wie zum Beispiel Gefahrstoffausbreitung, einem Großbrand oder Hochwasser erhalten.
  • WarnWetter: Die WarnWetter-App vom Deutschen Wetterdienst, versorgt die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes sowie die breite Öffentlichkeit mit wichtigen Hinweisen zur aktuellen Warn- und Wettersituation.
  • MeinPegel:MeinPegel ist die amtliche Wasserstands- und Hochwasser-Informations-App mit rund 2.000 Pegeln in Deutschland.Informieren Sie sich über den aktuellen Wasserstand an Ihrem Pegel und lassen Sie sich über Push-Mitteilung bei Über-/ oder Unterschreitung von individuell konfigurierbaren Grenzwerten benachrichtigen. Verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick zur überregionalen Hochwasserlage in Deutschland und zu den Hochwasserinformationen der Bundesländer.
  • KATWARN: Dies ist eine Service-App zur Übermittlung von Gefahren- und Katastrophenwarnungen innerhalb Deutschlands. Das Warnsystem leitet offizielle Warnungen und Handlungsempfehlungen an die betroffenen Menschen weiter. Über Inhalt, Zeitpunkt und Umfang entscheiden allein autorisierte Behörden und Sicherheitsorganisationen.

Verhalten bei einer Überflutung:  

  • Schützen Sie sich und ihr Leben.
  • Bei einem Notfall wählen Sie den Notruf der Feuerwehr (112).
  • Bleiben Sie im Gebäude (obere Etagen) und meiden Sie überflutete Räume (Stromschlaggefahr!).
  • Wenn noch genug Zeit ist, schalten Sie Strom und Heizung in gefährdeten Räumen ab.
  • Verfolgen Sie die Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de) und Meldungen der Regionalprogramme.
  • Benutzen Sie ein Mobiltelefon nur in Notfällen, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden.
  • Helfen Sie Ihren Nachbarn, solange Ihr eigenes Leben dadurch nicht gefährdet wird. Achten Sie auf hilfsbedürftige Personen in der Nähe.
  • Verstauen Sie schädliche Stoffe (wie z.B. Chemikalien und Umweltgifte) in wasserdichten Behältnissen.
  • Überflutete Bereiche in Senken und im Umfeld der Kanalisation meiden.

Weitere Informationen können Sie auch unter https://www.starkregengefahr.de/vorsorgen/ finden oder dem beigefügten Leitfaden vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung entnehmen. Wir bitten um Beachtung!

Ihre Gemeindeverwaltung

 

Übersichtskarte Starkregenereignis - seltenes Abflussereignis

Übersichtskarte Starkregenereignis - außergewöhnliches Abflussereignis

Übersichtskarte Starkregenereignis - extremes Abflussereignis

Leitfaden Starkregen vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Weitere Informationen

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